Die Geschichte einer Kundin, die mir zeigte, was wirklich den Unterschied ausmacht.

Vor kurzem wandte sich eine Kundin erneut an mich, für die ich in 2015 bereits Bewerbungsfotos machte. Zu damaligem Zeitpunkt war Sie relativ unsicher und mochte sich selbst auf Fotos nicht. Ich meinte damals bereits vor dem Shooting, sie solle sich eine Chance geben auf den Bildern von mir gut zu wirken. Ich würde versuchen, sie anders zu zeigen, als die Personen, die sie vor mir abgelichtet hatten, es bisher getan hatten. Hinterher war sie von den Bildern angetan und meinte, sie würde mich weiter empfehlen und ihre Bekannten und Geschäftskollegen an mich verweisen. Es kam auch zu weiteren zwei Terminen, einmal mit einer weiteren Dame, ihrer Freundin und einmal mit mehreren Geschäftskollegen.

Seit diesem Zeitpunkt, vor ca. einem Jahr hatte ich nichts mehr von allen gehört und ich wusste auch nicht, ob die Bilder erfolgreich dazu beigetragen hatten die Wunschjobs zu finden. Nun meldete sich die Dame erneut bei mir, wie bereits erwähnt. Diesmal war ihr Anliegen ein anderes, sie ist nun im Beruf, relativ erfolgreich, was sie jedoch störte war ihr Foto auf der Firmenwebseite und Visitenkarte, das diesmal von der Marketingabteilung ihres Unternehmens gemacht worden war. Sie arbeitet im Vertrieb und ihr Bild ist nun mal ihr Aushängeschild für Sympathie und Vertrauen, daher ist es ein wesentlicher Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Es ging sogar soweit, das Kunden ihren Vorgesetzten kontaktierten und fragten, wie man so einem netten Menschen nur so ein Bild vorsetzen kann oder Kunden bei Erhalt der Visitenkarte fragten, ob sie auch eine von sich hätte anstatt von jemand aus der Zentrale. Verständlich, das sie unzufrieden war.

Nun genug von der Ausgangssituation und zum eigentlichen Punkt, der mich darüber nachdenken lässt, wie man einen Unterschied macht als Fotograf, aber auch als Dienstleister generell heutzutage. Und ich möchte meine Gedanken und diese Geschichte einfach gerne mit denen teilen, die es von euch interessiert und die für sich eventuell ein wenig Inspiration hieraus ziehen können.

Als die Kundin nun wieder bei mir war, zeigt sie mir die Firmenbroschüre ihres Unternehmens mit all den Vertriebsmitarbeitern aus diversen Lokationen unter denen auch ihr Bild aufgeführt war und auch ihre Visitenkarte. Anschließend diskutierten wir ihr aktuelles Bild und die Bilder der anderen Vertriebsmitarbeitern hinsichtlich ihrer Wirkung auf mich als Aussenstehenden und ganz ehrlich, von ca. 50 Portraits sprachen mich emotional ca. 5 an. Davon waren nur 2 Vertriebsmitarbeiter und die restlichen 3 waren Assistentinnen der Vertriebsmitarbeiter, die keine Verkaufsabschlüsse erzielen müssen. D.h. sie können generell entspannter sein, für sie ist jedoch das Bild gleichzeitiger weniger wichtig. Meiner Kundin war sich dieses Zustands sehr bewusst und wollte dies auf jeden Fall für ihr Bild ändern, denn sie erkannte sich selbst als Person nicht auf dem Bild und sie erzählte mir folgende Geschichte.

Als sie zum ersten Mal zu mir kam wegen den Bewerbungsfotos, da war sie unsicher, sie wollte nach einer Teilzeitanstellung aufgrund Nachwuchses nun wieder Vollzeit einsteigen und die Branche wechseln. Beides für sich allein genommen ist schon nicht so leicht, aber sie setzte damals noch einen drauf, denn sie wollte nur zu einem bestimmten Unternehmen, also gab es nur eine Chance sich zu bewerben.

Also machten wir unsere Bilder und ich ließ sie erst weg, als ich bei den Bildern so ein gutes Gefühl hatte und sie so wirkte, wie ich es als richtig erachtete.

Sie erzählte mir, dass sie eingeladen wurde und das erste was im Kennenlerntermin passierte folgendes war:

Die Personaldame holte ihre Bewerbungsmappe hervor, zeigte auf ihr Foto zeigte und sagte:

“Liebe Dame, eigentlich haben wir gar keinen Job für Sie, aber sie wirkten so sympathisch auf dem Bewerbungsbild. Wir mussten sie unbedingt kennen lernen”

Bis 36 Stunden vor Arbeitsbeginn wusste sie daher nicht, in welche Filiale man sie vermitteln würde. Aber sie hat die Stelle erhalten.

Es geht aber noch weiter mit ihren Erzählungen, diesmal ihre Freundin betreffend. Was ich nicht wusste war, dass ihre Freundin, bevor sie zu mir geschickt wurde, zwei Jahre vergeblich versucht hatte eine Stelle zu finden und dass sie sogar bereits komplett den Wohnort gewechselt hatte und in eine andere Region gezogen war, um es an einem anderen Ort zu versuchen. Nun erfuhr ich, dass sie mit der ersten Bewerbung, die meine Fotos von ihr beinhalteten, sofort einen Job gefunden hat und seit dem alles sehr gut für sie läuft.

Im ersten Augenblick haben mich diese Aussagen natürlich sehr gefreut und sie freuen mich auch jetzt noch, aber ich war in dem Moment zu sehr im Kopf damit beschäftigt, das aktuelle Problem der Kundin mit ihrem Bild zu lösen und mir vorzustellen, welche Bildwirkung ich von ihr erwarten würde, wenn ich ihr Kunde wäre und sie mir ihre Karte gäbe, als das ich über die ganzen anderen Geschichten hätte nachdenken können.

Wir haben übrigens auch wieder Fotos für sie gemacht, auf denen sie sich nun wieder erkennt und von denen ich meine, dass sie auf ihnen die richtige Wirkung ausstrahlt. Jetzt habe ich daher auch Zeit darüber nachzudenken, was sie mir eigentlich mit ihren Geschichten gesagt und aufgezeigt hat.

Als erstes natürlich hat ihre Erzählung den oberflächlichen Punkt bestätigt, dass die Bilder auf einer Bewerbung sehr mächtig sein können, wenn man die richtigen einsetzt. Sogar wenn es keine Stelle gibt, kann menschliche Ausstrahlung einen Bedarf schaffen, wo keiner ist.

So zu handeln, das machen heutzutage allerdings sehr wenige Unternehmen, aber ich denke die, die es machen, handeln weise und vorausschauend, denn die Menschen in den Unternehmen machen den größten Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg aus. Nicht das Kapital und auch nicht die Produkte. Die Menschen sind es, die Ideen haben, die Leistung erbringen und zu denen sich Kunden und Partner hingezogen fühlen. Man ist auch nur loyal gegenüber Menschen, nicht gegenüber Unternehmen. Man vertraut nur in Menschen, nicht in Unternehmen. So habe ich es zumindest in meinen bisherigen Jobs und Berufsjahren erlebt.

Viel interessanter noch finde ich die Fragestellung, wie man sich heutzutage unterscheidet, als Fotograf, aber auch als Dienstleister generell. Es ist heutzutage leicht Leistungen zu kopieren, abzuschauen, in den Laden zu laufen, sich eine Kamera zu kaufen und zu fotografieren. Jeder der Geld hat, kann sich jede beliebige Ausrüstung leisten. Jeder kann ein Service-Konzept abkupfern und nachahmen, eventuell auch noch innovativer gestalten, als die Konkurrenz. Aber das sagt noch nichts über Leistung aus.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto eindeutiger wird für mich, dass Kapital, Können und Wissen bessere Leistung ermöglichen, aber andere Faktoren diese erst abrufen und spürbar ausmachen.

Ein ganz einfaches Beispiel hierfür, ich kann eine neuere Kamera mit besserem Objektiv benutzen und bei den selben Lichtverhältnissen, im selben Gebäude, den selben Menschen fotografieren, wie die Konkurrenz, aber ich werde andere Ergebnisse haben. Weil ich mich in die Person eventuell besser hineinversetze, weil ich nicht einfach Geld gegen Zeit und Bilder tausche, sondern weil ich will, dass die Person mit den Bildern ihr gewünschtes Ziel erreicht und den Job erhält, zumindest eingeladen wird zum Vorstellungsgespräch. Das ist mein Anliegen. Und das unterscheidet sich wesentlich davon für einen bestimmten Betrag eine bestimmte Anzahl von Fotos in einer bestimmten Zeit abzuliefern.

Für mich ist das die Extrameile, die heutzutage nur noch wenig bereit sind, auf sich zu nehmen. Sie löst das Problem des Kunden.

Diese Denkweise und die Menschen, die sich danach richten alles in ihrer Macht stehende dafür tun das Problem des Kunden basieren auf den Unternehmensprozessen, anhand der angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu lösen sind der Unterschied. Ihre Fähigkeiten, ihre Empathie, das Vertrauen, das man in sie entwickelt, die Bindung zu Ihnen ist genau so wichtig, wie die eigentlichen Produkte und Dienstleistungen, die man anbietet.

Das ist der Schluss, zu dem ich aktuell komme, je mehr ich darüber nachdenke, wieso meine Bilder für diese Menschen den Unterschied gemacht haben, obwohl bereits andere versuchten, das selbe Problem für sie zu lösen.

Wenn ihr Gedanken oder eine eigene Meinung dazu habt, schreibt sie mir in die Kommentare, wenn ihr möchtet.

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