Einkehr in die Stadt des Götz: Oder einfach Dankbarkeit für eine Gabe

Ich kann mich noch erinnern, wie ich in der Oberstufe im Abitur das Reclam-Heft Der Götz von Berlichingen gelesen habe. Und nun gut 10 Jahre später fahre ich als Hochzeitsfotograf am Ortsschild von Berlichingen vorbei in Richtung Kloster Schöntal. Ich lese den Schriftzug unter dem Ortsnamen, die Heimatstadt des Götz. Erinnerungen kommen hoch, Erinnerungen an die Schulzeit, ich versuche mich auch an den Inhalt des Buches zu erinnern, keine Chance. War für mich also nicht wegweisend, aber ein wenig stolz bin ich schon. Stolz darauf, dass sich meine Mühen ausgezahlt haben und ich es geschafft habe mit eigener Kraft in etwas so gut zu werden, dass andere Menschen mich buchen, um das Können für Sie anzuwenden.
Ich kann mich noch gut erinnern an die Anfangszeit, in der ich dachte, wie schön wäre es, wenn ich es schaffen würde, dass die Menschen von selbst auf mich zukommen, damit ich sie fotografiere. Ist das überhaupt realistisch? Warum sollten Sie überhaupt zu mir kommen, es gibt doch so viele Fotografen. Wie haben die den Einstieg geschafft? Und nun bin ich dankbar, ich habe die schwere Anfangszeit hinter mir, ich freue mich, dass meine Art der Fotografie bei einem breiten Publikum ankommt un die Anfrage stetig reinkommen. Ich fotografiere so gerne mit den Menschen, ich arbeite gerne mit ihnen daran das Beste aus ihnen herauszuholen. Ich lasse mich auf ihre Wünsche ein, ich fordere eher unterschwellig, dass Sie mir vertrauen und dass sie sich auf mich einlassen. Ich nehme mir Zeit für Sie, den jene steht im Hintergrund. Das Außergewöhnliche, das Besondere, das Schöne im Vordergrund. Was jeder am Anfang nicht verstehen kann ist, dass die Technik zur Nebensache wird, sie ist notwendig, um die Arbeit durchzuführen, aber sie ist nicht ausschlaggebend in der Arbeit mit den Menschen. Das habe ich seit dem Beginn an mehr und mehr erlernt. Es geht nicht anders als durch Erfahrung, das weiß ich heute. In der Arbeit mit Meschen spiegelt die Qualität des Ergebnisses das Verhältnis zwischen dem Fotografen und den Menschen, die abgelichtet werden wieder. Man wird zum offenen Ohr, man wird zum Lehrer, man wird zum Psychologen und man wird zum bösen und verdammt ehrlichen Gewissen, wenn man jemand auf die Wirkungsweise seiner Gestiken hinweisen muss. Man ist zeitweise das Teufelchen auf der linken Schulter. Aber am Ende wird man zum Engelchen auf der Rechten und das ist das Schöne an der Arbeit mit den Menschen. Man kann Sie glücklich machen, ihnen zeigen, dass sie schön sind, dass sie es wert sind fotografiert zu werden. Man kann Seiten an ihnen hervorholen, die sie selbst sich nicht einmal zugetraut hätten. Und man erfährt Dankbarkeit. Das alles gibt dem Aufwand und den Mühen einen Sinn.
Ich sehe es als Gabe an andere Menschen glücklich machen zu können. Wenn ich dann das Strahlen in ihren Augen sehe, denn Dank höre oder lese, das macht mich selbst glücklich und ich freue mich, dass mir diese Gabe geschenkt wurde.

Leave a reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.